Die Vergabe von Minidarlehen an arme und extrem arme Menschen ist erwiesenermaßen ein wirksamer Weg, um Armut, auch und gerade absolute Armut, zu bekämpfen. Mikrokredite werden im Allgemeinen nicht von Banken vergeben, weil Banken gewisse Bonitäten voraussetzen, welche die meisten extrem Armen Menschen nicht vorweisen können. Oft handelt es sich ja um analphabetische Bauern, um Handwerker und Frauen, die kaum lesen und schreiben können, geschweige denn ein Bankkonto besitzen. Viele dieser Kreditempfänger haben ein Einkommen, das etwa bei und oft deutlich unter einem Dollar pro Tag liegt. Diese Menschen sind so arm, dass es ihnen praktisch nicht möglich ist, auch nur das kleinste Gewerbe ohne fremde Hilfe zu beginnen.
Um diesen Menschen zu helfen, haben Hilfsorganisationen eigene „Kleinkreditbanken“ gegründet, um ohne Bonitätsprüfung kleine Darlehen zu vergeben. Die bekannteste solche Bank ist die Grameen-Bank in Bangladesch, dessen Gründer Mohammed Junus 2006 für seine hervorragende Arbeit den Friedensnobelpreis erhielt. Die Vereinten Nationen hatten das Jahr zuvor zum „International Year of Microcredit“ ausgerufen, um auf die Bedeutung und den Nutzen des Kleinkreditsystems hinzuweisen. Diese Minidarlehen sind meist nicht mehr als 100 Dollar, die Bandbreite dürfte jedoch meist etwa zwischen 50 und 500 Dollar liegen.
Die Vergabe von Kleinkrediten kann in bar oder auch in Form von Sachgütern erfolgen: Saatgut, Zuchttiere, landwirtschaftliche Ausrüstung u.ä. Oft werden die Darlehensempfänger angehalten, sich in Gruppen zu organisieren, deren Mitglieder gemeinschaftlich haften, so dass ein Gruppenzwang entsteht, der meist für eine pünktliche Zinszahlung bzw. Rückzahlung des Kredites sorgt. In vielen Fällen sind die Empfänger, sofern ihre Geschäftsidee erfolgreich war und die Zinsen pünktlich zurückgezahlt wurden, berechtigt, höhere Folgekredite in Anspruch zu nehmen, um ihr Geschäft auszuweiten. Es hat sich gezeigt, dass die Rücklaufquote oft weit über 90 Prozent liegt, insbesondere bei Frauen, denen man eine größere Gewissenhaftigkeit und Nachhaltigkeit im Umgang mit Krediten nachsagt, während Männer zuweilen der Versuchung einer Zweckentfremdung des geliehenen Geldes erliegen.
Weiterführende Links:
Thesenpapier der Deutschen Mikrofinanz-Plattform zur Stärkung der Mikrofinanzierung:
Thesenpapier Mikrofinanz.pdf
Die Seite des „International Year of Microcredit 2005“:
http://www.yearofmicrocredit.org/
Die Internetseite des UN Capital Development Fund:
http://www.uncdf.org/english/microfinance/
Die Internetseite für Mikrokredite von World Vision:
http://www.worldvisionmicro.org
TAZ-Artikel über Muhammad Yunus, Kleinkreditguru und Friedensnobelpreisträger:
http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2006/10/16/a0096
Informationen zu Kleinkrediten
http://www.luetz.org/Microcredit.pdf
Informationen des BMZ zur Kleinkrediten:
http://www.bmz.de/de/themen/mikrofinanzierung/index.html
Informationen von Muhamma Yunus von der Grameen-Bank in Bangladesch zu Kleinkrediten:
http://www.grameen.com/bank/WhatisMicrocredit.htm
Informationen über Grameen, die Bank für die Armen:
http://www.bangladeshonline.de/grameen/
Informationen des Microfinance Gateway:
http://www.microfinancegateway.org
Kurzer Überblick über Kleinkredite von der GTZ:
http://www2.gtz.de/dokumente/akz/deu/AKZ_2004_4/Expertenthema.pdf
Spiegel-Artikel über Muhammad Yunus, den Vater der Kleinkredite:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,442506,00.html

