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Armut ist weiblich

Mädchen und Frauen bilden die Hälfte der Menschheit, aber in vielen Teilen der Welt ist es kein Vergnügen, ein Mädchen oder eine Frau zu sein. Sie erbringen den größeren Anteil der Arbeitsleistungen, erhalten jedoch nur ein Zehntel des Welteinkommens und besitzen weniger als ein Hundertstel des Eigentums. Die Lebenserwartung von Frauen in der „Dritten Welt“ beträgt durchschnittlich 62 Jahre, in den ärmsten Ländern sogar nur 52 Jahre. (Zum Vergleich: in den Industriestaaten beträgt die Lebenserwartung 79,4 Jahre). Jährlich sterben mehr als eine halbe Million Frauen – das ist ein Frauentod pro Minute – an den Folgen einer Schwangerschaft und mangelnder Betreuung bei der Geburt. Ausgehend von den Geburtsstatistiken und dem zahlenmäßigen Verhältnis zwischen Männern und Frauen müssten heute 100 Millionen Frauen mehr auf diese Erde leben. Mädchen, diese Schlussfolgerung drängt sich einem auf, sind eine bedrohte Spezies.

Von der Wiege bis zur Bahre erleben Mädchen und Frauen häufig Ablehnung, Benachteiligung und Unterdrückung, und zwar in den unterschiedlichsten sozialen, kulturellen und religiösen Ausformungen. In vielen Kulturen ist das Mädchen unerwünscht und wird als Last empfunden. Man schreibt die Folgen des Problems seinen Ursachen zu und die Ursachen des Problems seinen Folgen: Mädchen sind nichts wert, weil sie eine Last sind, und sie sind eine Last, weil sie nichts wert sind. Ein typischer Zirkelschluss, aus dem es oft kein Entrinnen gibt.

Min der Begründung, dass Mädchen ohnehin in eine andere Familie einheiraten würden und daher wenig zum Broterwerb der eigenen Familie beitragen könnten, bekommt eine Tochter in vielen Ländern der Welt von allem weniger als ihre Brüder: weniger Nahrung, weniger Pflege, weniger Bildung. Als Jugendliche muss sie länger arbeiten und wird dafür auch noch schlechter bezahlt. Von der Familie als finanzielle Bürde betrachtet, wird sie nicht selten schon als Kind verheiratet. Mädchen sein heißt weniger Chancen haben: zum Leben und zum Überleben.

Das dritte Millenniumsziel lautet: „Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Ermächtigung von Frauen“. Geschlechtergerechtigkeit muss als übergreifende und integrative Aufgabe der Entwicklungszusammenarbeit verstanden werden (mainstreaming) Allerdings gibt es bei der Umsetzung von politischen und rechtlichen Verpflichtungen zur Geschlechtergerechtigkeit in konkrete Maßnahmen noch erhebliche Mängel. Dabei gilt in der Armutsbekämpfung das ungeschriebene Gesetz: „Frauen sind der Schlüssel der Entwicklung.“ Denn sie sind es vor allem, die offen für neue Ideen sind und entsprechende Praktiken an die nächste Generation weitergeben.


Weiterführende Links:

Webseite von UNIFEM (UN Development Fund for Women):
http://www.unifem.org

UNIFEM-Seite zu „Gender Responsive Budgeting“:
http://www.gender-budgets.org/

UNDP-Seite zu Frauenfragen:
http://www.undp.org/women/

UNICEF-Informationen zu „Bildung für Mädchen“:
http://www.unicef.de/

Seite zu Frauenrechte von Human Rights Watch:
http://www.hrw.org/german/women/

Webseite von terre des femmes Deutschland:
http://www.frauenrechte.de

UN-Seite gegen Diskriminierung von Frauen:
http://www.un.org/womenwatch/daw/cedaw/

ai-Seite zu Frauenrechten:
http://www.amnesty-frauen.de/Seiten/Konventionen/Konv.htm

Vertiefungsthema Frauenrechte der UNESCO:
http://www.dadalos-d.org/
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