Prävalenz der Armut in Deutschland
Nach einer Studie vom Februar 2010 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wies Deutschland im Jahr 2008 "eine deutlich höhere relative Einkommensarmut als noch vor zehn Jahren" auf. Rund 11,5 Millionen Menschen lagen mit ihrem verfügbaren Einkommen unter der Armutsgrenze. Dies entspricht rund 14% der deutschen Bevölkerung. Das sind 4% mehr als noch vor 10 Jahren. Besonders gefährdet sind dabei Haushalte mit Kindern - vor allem Alleinerziehende - und junge Erwachsene. Die EU definiert die Armutsgrenze als ein Einkommen von unter 60% des nationalen Durchschnittseinkommens. Für den Bericht siehe:
DIW Studie Armutsrisiko in Deutschland
Laut dem Armutsbericht des DGB, des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und der Hans-Böckler-Stiftung waren 9,1% der deutschen Bevölkerung im Jahre 1998 von der relativen Armut (50% des durchschnittlichen Einkommens) betroffen. Arm war also jeder 11. Bundesbürger. Dabei lag die Quote der Einkommensarmen im alten Bundesgebiet mit 8,7 % etwas niedriger und in den neuen Bundesländern mit 10,7 % etwas höher als der Bundesdurchschnitt.
Der 2. Armutsbericht der Bundesregierung fokussiert bei seinen statistischen Zahlen auf das Armutsrisiko. Demnach waren im Jahr 1998 12,1% vom Armutsrisiko (60% des Durchschnittseinkommens) betroffen. Bis 2003 zeigte dieser Anteil einen beunruhigen Anstieg auf 13,5% (alte Länder: 12,2%; neue Länder: 19,3%). Dies zeigt, dass wir es in Deutschland, und vornehmlich im östlichen Teil, mit einer neuen Armut zu tun haben.
Wie liegt die deutsche Armutsquote im Vergleich zu anderen europäischen Staaten? Gemäß den letzten EUROSTAT-Zahlen von 2001 lag Deutschland mit einer Armutsquote von 11% zwar über Ländern wie Schweden (9%) und Dänemark (10%), aber noch deutlich unterhalb des Durchschnitts der damals noch 15 europäischen Staaten (15%).
Relative Armut betrifft in Deutschland zunehmend Kinder. Und diese Situation verschlechtert sich derzeit dramatisch. Lebten im Jahre 2003 1,08 Millionen Kinder in Haushalten, die Sozialhilfe bezogen (wobei der Bezug von Sozialhilfe ein hilfreicher Indikator relativer Armut darstellt), so war diese Zahl schon Ende 2004 auf 1,45 Millionen angestiegen. Im Jahre 2006 liegt diese Zahl bereits bei 2 Millionen oder darüber. Arme Kinder leiden aufgrund der wirtschaftlichen Situation ihrer Familie unter körperlichen und seelischen Belastungen, haben schlechtere Aussichten für ihre schulische und berufliche Ausbildung, werden schlechter mit materiellen Gütern versorgt, sind zuweilen fehlernährt, haben oft weniger soziale Kontakte und Freunde. Gerade angesichts der Tatsache, dass deutsche Kinder (im Alter von 6 bis 17 Jahren) heute über 10 Milliarden Euro zur Verfügung haben, wird die eigene relative Armut der „Habenichtse“ als diskriminierend, ausgrenzend und beschämend empfunden.

