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Prävalenz der Armut in Deutschland

Armut wird in den entwickelten Gesellschaften relativ definiert. Die Bundesregierung folgt in ihrem Armutsbericht der Definition von Armut durch den Rat der Europäischen Gemeinschaft von 1984, „nach der Personen, Familien und Gruppen als arm gelten, die über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedsstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist“. Armut wird daher in den Berichten unter den Gesichtspunkten relativer Einkommensarmut, kritischer familiärer Lebensereignisse, dem Leben in sozialen Brennpunkten in Großstädten, Obdachlosigkeit und der Überschuldung betrachtet, während Reichtum mit der Einkommens- und Vermögensverteilung in der Bevölkerung beschrieben wird.

Verbreitung der Armut in Deutschland

Nach einer Studie vom Februar 2010 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wies Deutschland im Jahr 2008 "eine deutlich höhere relative Einkommensarmut als noch vor zehn Jahren" auf. Rund 11,5 Millionen Menschen lagen mit ihrem verfügbaren Einkommen unter der Armutsgrenze. Dies entspricht rund 14% der deutschen Bevölkerung. Das sind 4% mehr als noch vor 10 Jahren. Besonders gefährdet sind dabei Haushalte mit Kindern – vor allem Alleinerziehende – und junge Erwachsene. Die EU definiert die Armutsrisikogrenze als ein Einkommen von unter 60% des mittleren nationalen Einkommens.

Für den Bericht siehe:

DIW Studie zum Armutsrisiko in Deutschland

Laut dem Armutsbericht des DGB, des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und der Hans-Böckler-Stiftung waren 9,1% der deutschen Bevölkerung im Jahre 1998 von der relativen Armut (50% des mittlerein Einkommens) betroffen. Arm war also jeder 11. Bundesbürger. Dabei lag die Quote der Einkommensarmen im alten Bundesgebiet mit 8,7% etwas niedriger, und in den neuen Bundesländern mit 10,7% etwas höher als der Bundesdurchschnitt.

Armutsgefährdungsquote

Die Armutsgefährdung der Menschen in Deutschland ist in den Bundesländern sehr unterschiedlich: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war im Jahr 2009 mehr als jeder fünfte Mensch in Mecklenburg-Vorpommern (23%), Sachsen-Anhalt (22%) und Bremen (20%) armutsgefährdet. In den südlichen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern hatte dagegen nur ungefähr jeder Neunte ein erhöhtes Armutsrisiko (jeweils 11%). Der 2. Armutsbericht der Bundesregierung fokussiert bei seinen statistischen Zahlen auf das Armutsrisiko. Demnach waren im Jahr 1998 12,1% vom Armutsrisiko (60% des mittleren Einkommens) betroffen. Bis 2003 zeigte dieser Anteil einen beunruhigen Anstieg auf 13,5% (alte Länder: 12,2%; neue Länder: 19,3%). Dies zeigt, dass wir es in Deutschland, und vornehmlich im östlichen Teil, mit einer neuen Armut zu tun haben. Betrachtet man die einzelnen Personengruppen, so sind am gefährdetsten.

Armutsgefährdungsquoten in Deutschland:

         
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