Folgen (bzw. Symptome) der Armut in Deutschland
Grundsätzlich gilt, dass es oft schwierig ist, zwischen Folgen und Ursachen der Armut zu unterscheiden. Zwischen den die Armut bestimmenden Faktoren gibt es Interdependenzen, also gegenseitige Abhängigkeiten, die sich gegenseitig bedingen und verstärken. Armut wird von verschiedenen Faktoren verursacht, die aber, wenn Armut erst einmal ein Tatbestand ist, die Armut konstituieren bzw. aus ihr erwachsen können. Insofern lassen sich Ursachen, Symptome und Folgen von Armut nicht säuberlich trennen, sondern müssen stets zusammen gesehen werden. Deshalb sprechen wir ja auch vom Teufelskreis der Armut (Siehe Link) Trotz dieser Schwierigkeit gehen wir hier speziell auf die Folgen – bzw. Symptome – von Armut ein, um deutlich zu machen, dass Armut schwerwiegende und multidimensionale Konsequenzen nach sich ziehen kann, die leidvoll erlebt werden und die Armut nur noch verstetigen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Armut nicht nur als materielle Armut erlebt und verstanden wird, sondern auch als kulturelle, soziale, emotionale, geistige und spirituelle Armut verstanden werden kann und verstanden werden muss. Zu den Folgen bzw. Symptome der Armut könnten demnach gehören:
1. Geldmangel und Kaufkraftschwäche
Die Armen können sich Güter, die für die Wohlhabenden selbstverständlich sind, oft nicht leisten; oder sie können sich Güter nicht in der den Wohlhabenden zugänglichen Qualität leisten. Aufgrund begrenzter Ressourcen wohnen sie auch oft in beengten Wohnverhältnissen.
2. Bildungsbenachteiligung
Entweder ermessen die Armen nicht den Wert einer guten Bildung und Ausbildung und sind nicht ausreichend motiviert, sich dem Zwang intensiven Lernens zu unterziehen. Es kann auch sein, dass sich die Armen eine gute Ausbildung schlichtweg nicht leisten können.
3. Sozial-kulturelle Armut
Es kann sein, dass Menschen aufgrund ihrer ethnischen oder sozialen Herkunft nicht an den sozial-kulturellen Reichtümern einer Gesellschaft teilnehmen können: Sie haben wenig Zugang zu Literatur, Theater, Musik oder zum gesellschaftlichen Leben begüterter Schichten.
4. Werteverluste
Aufgrund materieller, sozialer, kultureller oder ethnischer Benachteiligungen entwickeln sind sich arme Familien zuweilen nicht der Werte bewusst, die notwendig sind, um Persönlichkeitsmerkmale und Fähigkeiten zu entwickeln, die ihnen helfen würden, sich in der Gesellschaft durchzusetzen.
5. Seelische/emotionale/psychische Armut
Kinder, die in Familien aufwachsen, in denen die Eltern nur unzureichende kommunikative, emotionale und erzieherische Mittel zur Verfügung haben, damit ihre Kinder zu verantwortungsvolle Erwachsene heranreifen, wachsen mit Defiziten auf, die sie ihr ganzes Leben behindern können
6. Vernachlässigung
Kinder, die von ihrem Elternhaus körperlich, seelisch und geistig vernachlässigt oder gar missbraucht werden oder die ohne Eltern aufwachsen und von Heim zu Pflegeeltern abgeschoben werden, ohne Vaterfiguren oder Vorbilder zu kennen, bleiben weitgehend sich selbst überlassen und können sich nur in Ausnahmefällen selbst aus dem Sumpf einer verarmten Kindheit herausziehen
7. Ausländerspezifische Benachteiligungen
Aufgrund fremder ethnischer Herkunft und oft daraus erwachsener Diskriminierung kann es sein, dass Menschen sowohl in sozialer, emotionaler, beruflicher und damit auch in materieller Hinsicht ausgegrenzt bleiben.
8. Altersbedingte Armut
Durch die in den letzten Jahrzehnten gut funktionierenden Sozialsysteme gibt es heute Altersarmut nur in begrenztem Umfang. Allerdings kehrt sich dieser Trend gegenwärtig um, da die Renten sinken und gegenüber den Gehältern und Löhnen immer deutlicher abfallen. Viele Alte fristen schon jetzt ein minimales Rentnerdasein, das ihnen kaum das Nötigste zum Leben erlaubt.

