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Berechnung nationaler Armut

Armut wird entweder als absolute oder als relative Armut berechnet. Die Berechnung der absoluten Armut wird in erster Linie von internationalen Organisationen im Hinblick auf die globale Armut vorgenommen. Die Berechnung der relativen Armut wird meist von Regierungen zur Feststellung der nationalen Armut vorgenommen. Die Festlegung nationaler Armutsgrenzen wird jedoch von den verschiedenen Regierungen ganz unterschiedlich gehandhabt. Eine einheitliche Regelung gibt es nicht.

In Europa und in Deutschland werden die nationalen Armutsgrenzen durch einen Prozentsatz des Medianeinkommens errechnet. 60% des nationalen Medianeinkommens gilt als die Armutsrisikogrenze. 50% des nationalen Medianeinkommens gilt als die Armutsgrenze. Liegt das Medianeinkommen bei 1500 Euro im Monat, so liegt die Armutsrisikogrenze bei 900 Euro und die Armutsgrenze bei 750 Euro.

Aber wie errechnet sich das Medianeinkommen? Und was bedeuten in diesem Zusammenhang Begriffe wie Durchschnittseinkommen oder Äquivalenzeinkommen?

Durchschnittseinkommen

Das Durchschnittseinkommen für einen Haushalt (oder eine Einzelperson) wird berechnet, indem das Gesamteinkommen der Deutschen durch die Anzahl der Haushalte (oder der Einzelpersonen) dividiert wird. Das Durchschnittseinkommen ist also das arithmetische Mittel der Einkünfte.

In der Regel bezieht sich das Durchschnittseinkommen nicht auf das Bruttoeinkommen, sondern auf das Nettoeinkommen, also dasjenige Einkommen, das nach Abzug von Steuern und (Sozial-)Abgaben übrig bleibt. (Es wird zuweilen auch von Netto-Netto-Einkommen gesprochen, worunter man dasjenige Einkommen versteht, was nach Abzug von „lebensnotwendigen“ Ausgaben wie Miete, Nahrungsmittel, Mobilität, Kinderbetreuung noch zur freien Verfügung steht.)

Medianeinkommen

Das deutsche Medianeinkommen – auch als mittleres Einkommen bezeichnet – ist im Unterschied zum Durchschnittseinkommen das Einkommen derjenigen Person, die genau in der Mitte stünde, wenn sich alle Personen in Deutschland mit ihren Einkommen in einer Reihe aufstellen würden. Personen zur Rechten dieser mittleren Person würden mehr als das Medianeinkommen dieser Person verdienen; Personen zur Linken würden weniger als das Medianeinkommen dieser Person verdienen.

Der Vorteil des Medianeinkommens gegenüber dem Durchschnittseinkommen ist, dass extrem hohe und extrem niedrige Einkommen nicht verzerrend wirken, wie das beim Durchschnittseinkommen der Fall ist. Mit anderen Worten: Der Medianwert ist im Vergleich zum Durchschnittswert sehr viel robuster gegenüber Ausreißern (extrem abweichenden Werten). So würde etwa eine Verdoppelung des Einkommens der reichsten Person zwar das Durchschnittseinkommen erhöhen, nicht aber das Medianeinkommen. Das Medianeinkommen hat in den letzten Jahren in Deutschland bei ca. 1500 Euro im Monat (oder sogar darunter) gelegen. Das Durchschnittseinkommen hingegen liegt etwa doppelt so hoch.

Äquivalenzeinkommen

Das Äquivalenzeinkommen dient der besseren Vergleichbarkeit von Einkommen. Es wird auch bedarfsgewichtetes Nettoäquivalenzeinkommen genannt. Die Vergleichbarkeit der Einkommen wird verzerrt, wenn Personen, die in Haushalten leben, verglichen werden mit Personen, die allein leben. In größeren Haushalten gibt es Einspareffekte, weil Wohnraum, Elektrogeräte u.a. gemeinsam genutzt werden können. Das Äquivalenzeinkommen trägt diesen Effekten Rechnung, indem es die einzelnen Mitglieder des Haushalt gewichtet. Laut Statistischem Bundesamt wird dem ersten Erwachsenen das Gewicht 1 zugesprochen, Kindern unter 14 Jahren das Gewicht 0,3 und weitere Personen über 14 Jahren das Gewicht 0,5 ein.









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